von Petra Tabbert
Meine persönlichen Eindrücke von einer außergewöhnlichen Veranstaltung. Der MSC Rothenuffeln hat sich was getraut – und das mit Erfolg! Eine mehrtägige Rallye in unseren Breiten. Klingt ambitioniert…war es auch. Es hat auf ganzer Linie überzeugt.
Gestartet wurde in 2 Wertungsklassen. Super und Touring. In der Klasse Super ging es richtig zur Sache – rund 850 Kilometer in 3 Tagen, navigiert nach Chinesenzeichen, gespickt mit Zeitprüfungen (von Gleichmäßigkeit bis Sollzeit war alles dabei) und kniffligen Orientierungsaufgaben. Kurz gesagt: nichts für schwache Nerven oder schlechte Beifahrer. Wir dagegen wagten uns als eher unerfahrenes Team (Sabine hatte den Peugeot noch nie gefahren) in die Klasse Touring. Die gute Nachricht: Die fiesen Ori-Aufgaben blieben uns erspart. Aber langweilig wurde es trotzdem nicht.

Tag 1: Von Rothenuffeln aus ging es über Beverungen nach Bad Harzburg – etwa 285 Kilometer. Perfekt, um reinzukommen…und festzustellen, dass „mal eben Rallye fahren“ doch mehr Konzentration erfordert als gedacht. Wir waren platt.
Tag 2: Jetzt wurde es ernst. 385 Kilometer lagen vor uns – von Bad Harzburg über Bad Karlshafen bis nach Attendorn. Landschaftlich ein Traum, fahrerisch eine Herausforderung und für die Nerven…sagen wir: ausbaufähig. Spätestens hier wusste jeder im Team, wo seine persönliche Belastungsgrenze liegt. Mir als Beifahrer war dann mal übel von den ganzen Kurven rechts/links, hoch/runter.
Tag 3: Der Heimweg führte uns von Attendorn über Geseke zurück nach Rothenuffeln – nochmal harte 255 Kilometer. Die Müdigkeit war spürbar, aber auch der Ehrgeiz: Jetzt wollten wir es sauber zu Ende bringen. Und ganz ehrlich – ein bisschen stolz waren wir auch.
Die Strecke:
Der Wettergott meinte es gut mit uns: trocken, sonnig, am Morgen leichter Frühnebel – aber angenehm ohne drückende Hitze im Cockpit. Besser hätten die Bedingungen kaum sein können. Und die Strecke selbst? Ein echter Traum.
Am ersten Tag führte uns die Route zunächst entlang des Wiehengebirges, weiter ins lippische Bergland und schließlich an der Weser entlang bis nach Beverungen. Dort legten wir zur Mittagszeit unseren ersten Halt ein – an der Burg Beverungen. Absolut sehenswert und definitiv eine Empfehlung für einen Wochenendausflug. Die zweite Tageshälfte wurde dann fahrerisch richtig schön: kurvige Straßen, weite Landschaften und immer wieder neue Eindrücke, während wir uns durch Niedersachsen langsam in Richtung Harz vorarbeiteten. Und ja, auch das gehört dazu: kurzer Boxenstopp am Straßenrand für einen Teilnehmer – Reifenwechsel inklusive. Das Tagesziel erreichten wir schließlich in Bad Harzburg: unser erstes Quartier, das Harz Hotel & Spa Seela. Einmal durchatmen.
Am zweiten Tag ging es von Bad Harzburg aus weiter – immer mit Kurs auf die „weiße Stadt“ Bad Karlshafen. Die Strecke führte uns durch abwechslungsreiche Landschaften, die Lust aufs Weiterfahren machte. Die Stimmung am Bord war fast euphorisch. Wir waren gespannt was kommt. Die Mittagsrast genossen wir ganz entspannt im Restaurant Hessischer Hof – eine willkommene Pause, um kurz durchzuatmen und neue Kräfte zu sammeln. Doch lange ausruhen war nicht: Weiter ging es ins Sauerland, Kilometer für Kilometer in Richtung Attendorn. Dort wartete das Tagesziel auf uns – die beeindruckende Burg Schnellenberg. Ein Anblick, der sofort klar machte: Das ist mehr als nur ein Etappenort. Natürlich ließen wir uns die Gelegenheit nicht entgehen, die Kulisse für ein Fotostopp zu nutzen. So ein Moment gehört einfach festgehalten.
Am letzten und dritten Tag ging es vom Sauerland aus zurück in Richtung Rothenuffeln. Noch einmal bot sich uns ein weiter Blick über die Landschaft – das Sauerland, der Lippesee und die weite Senne begleiteten uns auf den letzten Kilometern. Nach zwei Tagen voller Kurven und Serpentinen fühlte sich diese Etappe fast schon entspannt an. Bei der flotten Kurvenlage wurde ich in den letzten zwei Tagen ordentlich von rechts nach links durchgereicht – die Hand oft krampfhaft am Gurt festgeklammert, konnte sie nun wieder loslassen und entspannen. Nur die Straßen wurden schlechter. Ein weiteres üppiges Buffet ließ aber auch nicht lange auf sich warten. Im Feldschlösschen in Geseke wurden die Energiereserven noch einmal aufgefüllt. Frisch gestärkt ging es weiter zum letzten Zwischenstopp – ein gemütlicher Kaffeestopp beim Autohaus Schnieder in Vlotho. Ganz unkompliziert wurde dort auch mal schnell der Auspuff eines Mitstreiters im Nu wieder festmontiert. Noch einmal zusammenkommen, Eindrücke teilen, durchatmen. Und dann die letzten Kilometer zurück nach Rothenuffeln. Zurück zum Ziel.
Die Unterlagen und deren Prüfungen:
Das Roadbook für jeden einzelnen Tag: hochwertig, sauber geheftet und auf den ersten Blick absolut vertrauenerweckend. Nichts fledderte. Aber auf den zweiten Blick wurde klar: Hier entscheidet nicht nur das Fahren – hier entscheidet das Lesen. Denn die Aufgaben hattes es in sich. Wer genau hinschaute und sorgfältig las, war klar im Vorteil. Wir…sagen wir mal: hatten an der ein oder anderen Stelle noch Luft nach oben. Zweimal haben wir uns schlicht selbst ausgetrickst. Dumm. Besonders spannend wurde es bei den sogenannten „Baumaffen“. Mal gut versteckt in Büschen, mal als zwei Schilder direkt hintereinander – und schon tappte man in die Falle. „Gefunden“ dachten wir am ersten Schild. Leider zu früh gefreut. Die zweite Markierung blieb unentdeckt – und damit ein weiterer Fehler. Auch während der Sollzeitprüfungen zeigte sich: Multitasking ist keine Selbstverständlichkeit. Während man sich auf die Sekunden konzentriert, kann einem schon mal ein entscheidendes Schild entgehen. Es hing im Helferauto. Echt fies. Aber wieder was gelernt.
Der Spaßfaktor – und den hatten wir definitiv in unserem Damenteam:
Kommen wir zum Herzstück unserer Rallye: dem Spaßfaktor. Und der hatte es in sich. Der Schwerpunkt der Wertungen lag eindeutig auf den vielen Zeitprüfungen – und das auf nicht abgesperrten Strecken, sondern mitten im ganz normalen Straßenverkehr. Schleichende LKWs in Serpentinen, Baustellenampeln, unerwartete Verzögerungen…alles inklusive was so einem auf mehreren Kilometern so passieren kann. Da wurde es stellenweise schon echt sportlich, die vorgegebenen Zeiten einzuhalten. Also ab aufs Gaspedal. Unser Peugeot zeigte dabei, was in ihm steckt: stabile Straßenlage, ausreichend Leistung – die perfekte Kombination, um diese Herausforderungen gemeinsam zu meistern. Für uns waren es die ersten Gleichmäßigkeitsprüfungen (GLPs) auf mehreren Kilometern überhaupt – inklusive versteckter Schnittmessungen. Und was soll ich sagen? Es hat erstaunlich gut funktioniert. Auch die Sollzeitprüfungen – meist 3 – 4 pro Tag – haben uns richtig gepackt. Immer in verschiedenen Kombinationen aus schnell und langsam, mal kurze Episoden (Sekunden) und mal längere Abschnitte (mehrere Minuten). Alle fließend übergehend (Ziel = Start der nächsten Messung). So kannten wir das bisher nicht. Mit etwas Planung im Voraus, einem klaren „Schlachtplan“ und dem richtigen Timing hieß es dann: konzentrieren, durchziehen – und ja, auch mal beherzt Gas geben. Aber immer mit Gefühl. Dann besonders spannend: Viele Zeitmessungen lagen auf Schotterplätzen. Hier war Fingerspitzengefühl gefragt, vor allem bei der Einfahrt. Zu schnell – und es wurde unruhig – und es wurde unruhig. Zu langsam – und die Zeit war dahin. Sowas konnten wir natürlich nicht zulassen! Richtig kniffelig wurden die versteckten Sollzeitprüfungen (auch mal gleich mit einer anderen Sollzeitprüfung kombiniert). Wer sie zu spät erkannte, hatte kaum eine Chance zu reagieren. Anhalten? Keine gute Idee – das wurde direkt mit Strafpunkten quittiert. Fazit: aufmerksam bleiben, vorausdenken und immer eine Hand an der Stoppuhr. Außergewöhnlich war auch eine Sollzeitprüfung mit 2 Messungen, bei der parallel zwei Fahrzeuge nach Ampelstart ins Rennen gingen – ein Format, das für zusätzliche Spannung und echten Wettbewerbscharakter sorgte. Gefahren auf dem Flugplatz in Porta Westfalica.
Unterkünfte und Lokalitäten:
Kommen wir zu einem weiteren Highlight der Rallye: den Unterkünften und Lokalitäten. Kurz gesagt: very best! Mehr geht wirklich nicht.
Egal, wo man auf der Strecke Halt gemacht hat – die Qualität hat durchgehend überzeugt. Ein persönliches Highlight war definitiv die Mittagspause an der Burg Beverungen, direkt an der Weser. Was dort an Catering aufgefahren wurde, war schlicht beeindruckend – sowohl vom Angebot als auch von der Qualität. Klare Empfehlung: unbedingt hinfahren, lohnt sich. Vom Interieur ganz zu schweigen. Der Hammer. Ein absoluter Blickfang war natürlich die weitläufige Burg Schnellenberg in Attendorn. Stilvoller Empfang im Freien, ein Glas Sekt zur Begrüßung, dazu ein hervorragendes Buffet mit Blick in die umliegenden Berge – besser kann man einen Rallyetag kaum ausklingen lassen. Die Zimmer: hohe Decken, knatschende Dielen, charmant eingerichtet, mit diesem besonderen historischen Flair einer Burg. Die Betten? Sagen wir: authentisch und urig. Kleiner Tipp am Rande – Fenster lieber geschlossen halten…sonst bekommt man eventuell nächtlichen Besuch von den einheimischen Fledermäusen. Und am Morgen gilt: den Gänsen mit Respekt begegnen – oder einfach einen kleinen Bogen machen. Ich jedenfalls, habe in der Hanglage und Weitläufigkeit der Burg da mal meine tägliche Sporteinheit zurückgelegt.
Die Auswertung/Siegerehrung:
Am Ende wird abgerechnet. Positiv vorweg: Die Ergebnisse waren jeden Tag schnell online verfügbar. Ergebnisse der Zeitmessungen, Musterbordkarten, Tagesgesamtauswertung – alles transparent und nachvollziehbar. Am letzten Tag folgte dann die Gesamtauswertung über alle drei Tage. Für uns lief es richtig gut. An den ersten beiden Tagen lagen wir jeweils auf dem 3. Platz. Der dritte Tag lief dann nicht ganz so rund – aber am Ende reichte es in der Gesamtwertung trotzdem für einen starken 3. Platz. Die Freude darüber war natürlich groß. Damit hatten wir im Leben nicht gerechnet. Auch wenn ich zugeben muss: ein kleiner Wermutstropfen blieb. Ein Ergebnis eines Mitstreiters wurde nach Bekanntgabe der Platzierungen, wir lagen auf Platz 2, vom ersten Tag nachträglich noch korrigiert. Ob das so ganz glücklich gelöst war? Schwer zu sagen. Aber am Ende gilt: Platz 2 oder 3 – wir waren in der Platzierung mit dabei. Die Siegerehrung selbst fiel allerdings etwas nüchtern aus. Die Pokale für die Plätze 1 – 3 wurden überreicht, der Erstplatzierte erhielt zusätzlich einen Ehrenpreis – das war’s. Keine großen Worte, keine persönliche Würdigung der Teams, keine Fotos. Schade eigentlich. Einen roten Teppich braucht niemand – aber ein bisschen mehr Atmosphäre, ein klein wenig mehr „Glanz“ hätten diesem Moment gutgetan.
Was wir mitnehmen? Eine rundum tolle Rallye, viele neue Erfahrungen, und wir haben super nette Mitstreiterinnen und Mitstreiter kennengelernt – und ganz klar: Wir kommen wieder. Immer gern.