Extravagantes 70er Jahre Raumschiff

Der Citroën CX ist ein Modell der oberen Mittelklasse des französischen Herstellers, erstmals mit sparsamen Doppel-Kreiskolbenmotor anstatt dem Wankelmotor. Dieses war der Olkrise geschuldet. Der Name geht auf den französischen Begriff für Luftwiderstandsbeiwert (cw-Wert) zurück. Hier ausgestellt mit der luxuriösen Ausstattungsvariante „Pallas“. Der CX wurde 1975 erstmals zum Auto des Jahres gekürt und verwies den VW Golf mit riesigem Abstand auf Platz 2. In den 80er Jahren gewann der CX besondere Bekanntheit durch den Duisburger „Tatort“ TV-Kommissar  Horst Schimanski, Götz Georges wohl bekannteste Rolle.

Die ungewöhnliche Karosseriegestaltung weist eine vollständig selbsttragende Karosserie auf. Es waren weder Fahrwerks- noch Antriebskomponenten daran befestigt. Es gab ein separates Chassis aus zwei Längsträger die über die gesamte Fahrzeuglänge gingen und an den Achsaufnahmen mit Querträgern verbunden waren. An diesem Chassis waren die Hinterachse sowie die Vorderachse samt Lenkung und die komplette Antriebsmechanik be-festigt. Das Fahrgestell war mit Gummi-Metall-Elementen an der starren Karosserie ver-schraubt. Diese aufwendige Konstruktion garantierte eine präzise Führung der Fahrwerks-komponenten, schaffte aber auch eine gute Isolierung der Karosserie vor Vibrationen und Geräuschen aus dem Fahrwerk. Nachteil waren hohe Produktionskosten und aufwendige Werkstattarbeiten, weil weder der Chassisträger noch die Antriebseinheit nach unten aus dem Fahrzeug ausgebaut werden konnte.

Als technisches Highlight muss hier die hydraulische Servolenkung erwähnt werden. Die sogenannte DIRAVI unterscheidet sich von herkömmlichen servounterstützten Lenksystemen dadurch, dass die automatische Rückstellung, die die Räder wenn man das Lenkrad loslässt, in Geradeausrichtung ausrichtet. Daher gilt der Tip, das Lenkrad bei diesem Fahrzeug nach einer Kurve nicht einfach durch die Finger gleiten zu lassen. Dieses garantierte auch bei Seitenwind eine Spurtreue und Schlaglöcher wurden nicht auf das Lenkrad übertragen. Eine mechanische Verbindung kommt nur im Notlaufprogramm zum Tragen.

War die Bedienung des Wagens im Fahrbetrieb schon ungewöhnlich, überraschte der CX der ersten Serie den Fahrer mit einem futuristisch anmutenden Cockpit, das aus einer elliptischen Kanzel mit nahezu kompletter Instrumentierung bestand. Rundzeiger für Tempo und Drehzahl wurden durch beleuchtete Walzen ersetzt (Lupentacho), die Funktionen für Licht, Blinker, Wischer etc. befanden sich ergonomisch greifbar am Armaturenbrett an dem sogenannten „Bedienungssatelliten“ nahe dem einspeichigen Lenkrad gruppiert. Diese Idee entsprang dem Anspruch, dem Fahrer sämtliche wichtige Funktionen unmittelbar bereitzustellen.

Die einzigartige hydropneumatische Federung mit konstanter Bodenfreiheit lässt das Fahrzeug einfach nur über den Boden schweben. Aus diesem Grund kam der CX ohne Federn und Stoßdämpfern im herkömmlichen Sinne aus und konnte in verschiedenen Höhen gefahren werden. Ein Fahren auf 3 Rädern oder auch ein Reifenwechsel ohne Wagenheber waren so kein Problem. Was steckt in der oben abgebildeten Federkugel der Hydropneumatik? Sie enthält im unteren Teil das Hydrauliköl (LHM), das durch eine Gummimembrane vom oberen, mit Stickstoff gefüllten Bereich getrennt ist. Diese innovative Technik sorgt für ein einzigartiges, komfortables, fast schwebendes Fahrgefühl. Ihre Qualität überzeugte so sehr, dass sie über viele Jahre hinweg auch von Mercedes-Benz und Rolls-Royce in Lizenz übernommen wurde.

Das heute vorgestellte Exemplar wurde 1978 erstmalig zugelassen und befindet sich seit 2022 in der Oldtimer-Sammlung von Dirk und Petra Tabbert. Der Franzose ist bestens gepflegt und zieht alle Blicke auf sich!

Das vorgestellte Auto hat die höchste Ausstattungslinie und nennt sich „Palas“. Experten werden erkennen das die Schreibweise „Palas“ aus eine Erstzulassung in Spanien rückschliessen lässt. In den übrigen Ländern war die Schreibweise „Pallas“. Mit rund 2.400ccm Hubraum, 120 PS und viel Drehmoment macht dieses agile und extravagante 70er Jahre Raumschiff dem Fahrer viel Freude.

Die konkave Heckscheibe war ein echtes Stilmerkmal – nicht nur elegant, sondern auch praktisch. Durch ihre Form sammelte sich Regenwasser in der Mitte, und der Fahrtwind trieb das Wasser zuverlässig von der Scheibe. So blieb die Sicht nach hinten klar, ganz ohne Heckscheibenwischer – ein weiteres Beispiel für den innovativen Geist des CX.